Die „Médecins du Mahjer“, wie die algerischen Mediziner der Diaspora genannt werden, brachten bei ihrem Zusammentreffen im April ein tiefes Verständnis für eine wachsende Notwendigkeit mit. Während die Lebenserwartung in Algerien im Jahr der Unabhängigkeit 1962 noch bei bescheidenen 46 Jahren lag, erreichen die Menschen heute im Durchschnitt ein Alter von über 76 Jahren. Dieser Triumph der Medizin stellt das Land nun vor eine neue, menschliche Herausforderung: Die Pflege und Behandlung der Greise ist bisher kaum im akademischen System verankert.

In den Diskussionen im Universitätskrankenhaus von Blida wurde deutlich, dass die traditionelle Familienstruktur, in der drei Generationen unter einem Dach leben, allein nicht mehr ausreicht. Die Ärzte fordern nun einen nationalen Plan für die Geriatrie, um die Lücke zwischen der häuslichen Fürsorge und der spezialisierten medizinischen Betreuung zu schließen. Es geht ihnen nicht nur um Betten, sondern um die Anerkennung eines Lebensabschnitts, der eigene Fachkenntnisse verlangt – von der Schlaganfallnachsorge bis zur Behandlung chronischer Leiden.

Ein besonderes Detail in diesem Gefüge der Fürsorge ist die kleine, grüne Chifa-Karte. Fast jeder ältere Algerier trägt dieses biometrische Stück Plastik bei sich, das den Zugang zu Medikamenten in den örtlichen Apotheken regelt. Doch die Karte allein kann keine Diagnose ersetzen. Die Experten in Blida betonten, dass die bloße Versorgung mit Arzneien ohne eine spezialisierte geriatrische Ausbildung der Ärzte zu kurz greift.

Der Entschluss dieser Mediziner, ihr Wissen aus der Ferne zurück in die Heimat zu tragen, markiert einen stillen Wendepunkt. Es ist der Versuch, den Respekt vor dem Alter, der tief in der algerischen Kultur verwurzelt ist, in eine moderne, wissenschaftliche Form zu gießen. In der Zusammenarbeit zwischen den Heimgekehrten und den Gebliebenen entsteht so ein Versprechen an die Generation der Väter und Mütter: Dass ihr langes Leben nicht als Last, sondern als schützenswertes Gut begriffen wird.