So kam der Mann, den seine Anwälte nur Mr. F nennen, in das Correctional Centre von Suleja im Bundesstaat Niger. Die Anstalt liegt etwa 45 Kilometer nordwestlich der Innenstadt von Abuja, jenseits einer Verwaltungsgrenze, die für Festgenommene aus dem Hauptstadtterritorium zur Routine gehört: verhaftet in der einen Jurisdiktion, verwahrt in der anderen. Für Familien und Verteidiger bedeutet das jedes Mal eine Fahrt.

Im Juni 2026 saßen Juristinnen und Juristen der Asabe Waziri Justice Advocacy Initiative bei einem ihrer regelmäßigen Gerichtsbesuche im Saal. Sie fahren die Magistratsgerichte und Haftanstalten rund um Abuja ab, auch Kubwa, und suchen dort nach Menschen ohne Anwalt und ohne Mittel. Sie trafen Mr. F und übernahmen seinen Fall.

Was sie feststellten, verlangte keine juristische Kunst, sondern nur jemanden, der hinsah: Der Anzeigeerstatter erschien schlicht nicht. Nicht einmal, nicht zweimal, sondern wieder und wieder. Ohne ihn konnte die Anklage nicht vorankommen — und ohne Verteidiger sagte niemand dem Gericht, dass hier ein Mann für ein Verfahren einsaß, das gar nicht stattfand. Das Team der AWJAI sagte es.

Drei Wochen später wiederholte sich derselbe Vorgang wenige Zellen weiter. Mr. M war drei Monate lang in Suleja festgehalten worden, wegen eines nie geklärten Diebstahlsvorwurfs. Am 18. August 2026 wurde auch sein Fall aus demselben Grund gestrichen. Beide Männer kehrten in ihren Alltag zurück, ohne jemals vor einem Prozess gestanden zu haben.

Das nigerianische Recht hätte beide Inhaftierungen von sich aus beenden müssen. Der Administration of Criminal Justice Act von 2015 begrenzt die Untersuchungshaft auf zunächst vierzehn Tage, verlängerbar um weitere vierzehn, danach ist das Gericht zur Entlassung verpflichtet. Dasselbe Gesetz verpflichtet Chief Magistrates, monatlich die Polizeiwachen ihres Bezirks zu inspizieren und rechtswidrig Festgehaltene freizulassen. Geschrieben steht es. Angewandt wurde es hier erst, als jemand darauf zeigte.

Bezeichnend bleibt, dass Mr. F mit seinem eigentlichen Anliegen nie vor dem richtigen Gericht stand. Lohnforderungen gehören seit der Verfassungsänderung von 2010 ausschließlich vor das National Industrial Court of Nigeria. Der Streit um elf Jahre unbezahlter Arbeit landete stattdessen im Strafrecht — und zwar auf der falschen Seite der Anklagebank.

Eine Streichung ist kein Freispruch; der Staat könnte die Anklage grundsätzlich neu erheben. Doch für die beiden Männer entschied sich alles an einem viel einfacheren Punkt: daran, dass jemand in einen Gerichtssaal ging, in dem er nichts zu gewinnen hatte, und nachfragte, warum der Stuhl des Anzeigeerstatters leer blieb.

Am 27. Juli 2026 hob das Gericht die Sache mangels betriebener Anklage auf. Mr. F ging frei.