Alexandra liegt nur wenige Kilometer vom Geschäftsviertel Sandton entfernt, doch zwischen beiden Orten liegen Welten. Die Volkszählung von 2011 zählte dort rund 180.000 Menschen auf etwa sieben Quadratkilometern, und nach Schätzungen vor Ort sind es mehr, weil viele in Hinterhofbehausungen leben, die keine Statistik erfasst. Die Armut ist groß. Unter den 18- bis 34-Jährigen in Südafrika waren 2025 45 Prozent ohne Arbeit.
Aus diesem Viertel kommt auch Zenzele Letsoela, 38 Jahre alt. Er trainiert Ballett und Pantsula, jenen schnellen Tanz, den junge Leute in den Townships von Johannesburg in den Fünfziger- und Sechzigerjahren entwickelten, auch als Antwort auf die Zwangsumsiedlungen. Er hat Höhenangst und steigt trotzdem an die Geräte. Die 22-jährige Megan Nielsen hängt an einem fünf Meter langen Seil, gehalten nur von ihren geflochtenen Haaren, die an Karabinern befestigt sind.
Das Programm leiten die Organisatorin Michelle Fok und Orlando Vargas, der 2018 The Cirk gegründet hat, eine professionelle Zirkuskompanie in Johannesburg. Vargas begann mit der Ausbildung, weil es in Südafrika kaum Orte gibt, an denen man Zirkus formal lernen kann. Lange führte der Weg für junge Artisten fast nur nach Kapstadt, zum Zip Zap Circus, den Brent van Rensburg und Laurence Estève 1992 gegründet hatten.
Wer die Ausbildung in Johannesburg durchläuft, kann selbst Trainer werden oder bezahlte Engagements annehmen, bei Produktionsfirmen oder bei The Cirk. Das Programm soll sich durch Training, Auftritte und andere Zirkusarbeit selbst tragen und nicht allein von Geldgebern abhängen. Noch reicht es für vier voll geförderte Plätze im Jahr.
Alexandra wurde 1912 zum Township erklärt und war einer der wenigen Orte nahe Johannesburg, an denen Schwarze Südafrikaner vor der Apartheid Land besitzen durften. 1941 mietete dort ein junger Mann namens Nelson Mandela ein Zimmer, kurz nachdem er in der Stadt angekommen war. Das Viertel hat schon öfter Menschen hervorgebracht, die weit über seine Grenzen hinausgingen.
Michelle Fok glaubt nicht, dass es den jungen Leuten an Begabung fehlt. „Es gibt so viel Talent und so viel Können in diesem Land“, sagt sie. „Wir brauchen nur eine Plattform.“
„Wir wollen den Leuten einfach zeigen, dass wir es aus dem Township herausschaffen können.“