Hups unterrichtet Naturwissenschaften an der Northglenn High School in Colorado und arbeitet ehrenamtlich als Forschungsmitarbeiter für das Denver Museum of Nature & Science. In jenem Juli war er Freiwilliger einer Grabungsexpedition des Museums, geleitet vom Paläontologen Tyler Lyson. Er zog sein Telefon hervor und schrieb Lyson, er habe gerade einen T.-rex-Fußabdruck gefunden. Hinter die Nachricht setzte er vier Ausrufezeichen.
Die Fundstelle liegt in der Hell-Creek-Formation nahe dem Städtchen Marmarth, auf Bundesland, das der U.S. Forest Service verwaltet. Das Gestein ist etwa 66,5 Millionen Jahre alt. Als das Team weitergrub, kamen drei weitere Abdrücke zum Vorschein, zwei linke und zwei rechte Füße, hintereinander gesetzt. Hier war ein Tier gegangen.
Aus der Fährte ließ sich sein Tempo berechnen. Das Tier bewegte sich mit etwa 5,6 bis 7,2 Kilometern pro Stunde vorwärts, ungefähr so schnell wie ein Mensch, der zügig ausschreitet. Ein Knochen erzählt, wie ein Tier gebaut war. Eine Spur zeigt, wie es sich bewegt hat.
Bisher kannte die Wissenschaft nur zwei einzelne Abdrücke ausgewachsener Tyrannosaurier. Den einen fand der Geologe Charles Pillmore im Jahr 1983 auf der Philmont Scout Ranch in New Mexico, einem Gelände der Pfadfinder. Den anderen, aus der Hell-Creek-Formation in Montana, beschrieben Wissenschaftler 2008. Zu den Autoren gehörte schon damals Peter Falkingham, heute Professor für Paläobiologie an der Liverpool John Moores University.
Falkingham ist nun auch Erstautor der Studie über den Fund in North Dakota, die im Journal of Vertebrate Paleontology erschienen ist. Hups steht mit auf der Autorenliste, neben Evan Tamez-Galvan, Antoine Bercovici und Tyler Lyson. Tamez-Galvan tastete die Oberfläche mit hochauflösenden 3D-Scannern ab und erstellte daraus digitale Modelle. Die Forscher schreiben den Abdrücken aus drei Gründen einem T. rex zu: wegen ihrer Größe, wegen der schmalen Zehen und weil im umgebenden Gestein so viele Knochen dieser Art gefunden wurden. Im Titel der Arbeit heißt es dennoch vorsichtig, die Fährte sei nur „wahrscheinlich“ einem erwachsenen Tyrannosaurus zuzuordnen.
Die Gegend um Marmarth hat schon öfter Laien belohnt. Dort stießen 2022 drei Kinder auf „Teen Rex“, einen jungen Tyrannosaurus.
In diesem Herbst sollen drei der vier Abdrücke mit einem Hubschrauber aus den Badlands gehoben und nach Denver gebracht werden. Im Winter will das Museum seinen Besuchern berichten, wie die Bergung verlaufen ist. Dann liegen die Spuren eines Tieres, das vor 66 Millionen Jahren im Schritttempo durch diese Landschaft ging, nicht weit von der Schule entfernt, an der ihr Finder unterrichtet.