Als Tumu, als Oberhaupt der Schule, trägt Bennett heute die Verantwortung für eine Tradition, die weit über das bloße Handwerk hinausreicht. Sie trat das Erbe ihrer Mentorin Edna Pahewa an, die die Schule achtzehn Jahre lang leitete und selbst die Tochter der Gründerin Emily Schuster war. In dieser Kontinuität liegt die Kraft des Instituts: Hier wird nicht nur das Weben von Harakeke – dem neuseeländischen Flachs – gelehrt, sondern das tiefe Verständnis für die Tikanga, die rituellen Protokolle und Ahnenwege der Iwi.

Jedes Jahr im Februar öffnet das Institut seine Tore für eine Handvoll neuer Schüler, oft nicht mehr als vier junge Menschen, die von ihren Stämmen entsandt werden. Die Ausbildung ist streng und folgt dem Rhythmus der Natur. Es beginnt beim Schnitt der Pflanze, wobei stets der zentrale Trieb und seine beiden „Elternblätter“ geschont werden müssen, um das Überleben der Staude zu sichern. Nur wer den Lebenszyklus der Pflanze achtet, darf ihre Stärke nutzen.

Die Werkzeuge sind so schlicht wie effektiv: Mit einer geschärften Kammmuschel, der Kuku, schaben die Weberinnen die äußere Schicht des Flachses ab, bis das weiße Mark, das Muka, freiliegt. In der heißen Erde von Whakarewarewa nutzen die Schüler die natürlichen Thermalquellen, um die Fasern zu kochen und zu bleichen. Die Farben für die prächtigen Korowai-Mäntel stammen aus der Rinde heimischer Bäume und dem mineralreichen Schlamm der Sümpfe.

Wenn die Studenten nach zwei Jahren intensiven Studiums in ihre Heimatdörfer zurückkehren, nehmen sie mehr mit als die Technik des Flechtens. Sie tragen das Wissen um die Muster und die Identität ihrer Vorfahren zurück in die Gemeinschaft. Eraia Kiel, der Leiter des Instituts, sieht darin die Erfüllung eines alten Versprechens: Eine Kultur bleibt nur dann lebendig, wenn sie in den Händen derer liegt, die bereit sind, ihre Fäden weiterzureichen.