Jani Ingram ist analytische Chemikerin, Angehörige der Navajo Nation und leitet an der Northern Arizona University das Institut für Chemie und Biochemie. Seit Jahren fährt sie mit ihren Studierenden über das Reservat und testet Brunnenwasser. Was sie dabei immer wieder erlebte, war nicht nur die Belastung selbst, sondern die Ratlosigkeit der Familien: Niemand konnte ihnen sagen, welche Quelle unbedenklich war und welche nicht.
Also baute ihr Team eine Karte. Gelbe Punkte markieren die kostenpflichtigen Zapfstellen der Navajo Tribal Utility Authority, blaue und rote Punkte die kostenlosen, bundesfinanzierten Wasserstellen an den Chapter Houses — die Farbe zeigt an, ob das Wasser sicher ist. Wer heute die Kanister in die Ladefläche des Pickups hebt, kann vorher nachsehen, statt einfach zum nächsten Brunnen zu fahren.
Der Hintergrund reicht in den Kalten Krieg zurück. Zwischen 1944 und 1986 wurde auf Navajo-Land Uran abgebaut; zurück blieben Hunderte aufgegebener Minen und offene Abraumhalden. Öffentliche Wassersysteme des Stammesversorgers werden nach dem Safe Drinking Water Act geprüft — private, selbst gegrabene Brunnen fallen aus dieser Pflicht heraus. Genau deshalb hängt das Wissen über sie an Partnerschaften zwischen Universitäten und den Chapter-Verantwortlichen der Gemeinden. In manchen dieser Brunnen wurden Uranwerte über der EPA-Grenze von 30 Mikrogramm pro Liter gemessen; die Belastung wird mit Nierenerkrankungen und Knochenkrebs bei Anwohnern in Verbindung gebracht.
Ingram macht sich keine Illusionen darüber, was eine Karte leisten kann. Zu wissen, welcher Brunnen sauber ist, heißt nicht, ihn erreichen zu können: Die sichereren Stellen liegen oft weiter entfernt, und für viele Familien bleibt der Weg dorthin beschwerlich. Das Wasser wird in Fässern geholt, dient dem Haushalt und dem Vieh zugleich.
Was die Karte verändert, ist kleiner und konkreter. Sie verschiebt eine Entscheidung, die bisher aus Not getroffen wurde, in den Bereich des Wissens. Wer wählen kann, wählt anders.