Seit mehr als einem Jahrzehnt studiert Iridiastadi die Physiologie der Erschöpfung. Er kennt die Arbeitsbedingungen auf den Schienenwegen von Java und Sumatra genau: die engen Kabinen, den monotonen Rhythmus der Fahrt und den feinen Staub, der beständig durch die Ritzen der alten Maschinen dringt. In dieser Umgebung ist der sogenannte Sekundenschlaf kein bloßes Versäumnis, sondern eine physische Unausweichlichkeit, die oft erst bemerkt wird, wenn es zu spät ist.

Sein Ansatz an der Technischen Hochschule Bandung verzichtet bewusst auf kostspielige Sensorik, die in der Praxis oft an Wartungskosten scheitert. Stattdessen nutzt er eine einfache Videokamera und einen Minicomputer. Die Software berechnet in Echtzeit das Verhältnis der Augenöffnung – das sogenannte Eye-Aspect Ratio. Schließt ein Lokführer die Augen für länger als eine Sekunde, erkennt das System den Mikroschlaf und löst ein Warnsignal aus, während die Daten zeitgleich an eine Zentrale übermittelt werden.

Es ist eine Arbeit im Geiste von Matthias Aroef, jenem Mann, der 1958 das erste Institut für Arbeitswissenschaften in Indonesien gründete und dem das Gebäude seinen Namen lieh. Iridiastadi geht es nicht um technische Brillanz als Selbstzweck, sondern um die menschliche Komponente in einem System, das oft nur auf Effizienz blickt. Durch die Analyse täglicher und wöchentlicher Müdigkeitsprofile können Dienstpläne künftig so gestaltet werden, dass sie dem biologischen Rhythmus der Männer gerecht werden.

Obwohl die Finanzierung oft fragmentiert bleibt und die Kopplung mit externer Software Hürden aufwirft, arbeitet das Team in Bandung bereits an einem vollständigen Prototyp. Es ist die Entscheidung eines Wissenschaftlers, die Technik in den Dienst derer zu stellen, die im Verborgenen arbeiten – damit der Masinis am Ende seiner Schicht sicher nach Hause findet.