Die Geschichte des Ikitu-Volkes ist gezeichnet von den Schatten der Vergangenheit. Während des Kautschukbooms am Ende des 19. Jahrhunderts wurden ihre Vorfahren vertrieben, ihre Siedlungsmuster zerrissen und ihre Sprache unterdrückt. Heute erinnert vor allem der Name der Stadt Iquitos an ihre einstige Präsenz, doch die Sprache selbst war bis vor kurzem dem Erlöschen nahe. Eine Zählung aus dem Jahr 1998 verzeichnete lediglich 25 fließende Sprecher, fast alle von ihnen im hohen Alter.

Sangama, der sich selbst als Schüler und Lehrer zugleich begreift, weigert sich, diesen Verlust als unabänderlich hinzunehmen. Er hat ein Bildungszentrum in seinem Dorf ins Leben gerufen, in dem er Kindern die Grammatik und den Wortschatz ihrer Ahnen vermittelt. Es ist ein mühsamer Prozess des Wiedererlangens, bei dem jedes neu gelernte Wort ein Stück Identität zurückerobert.

In Zusammenarbeit mit dem peruanischen Kulturministerium und der UNESCO nutzt Sangama moderne Mittel, um das Alte zu bewahren. Er und andere junge Menschen aus den Gemeinschaften der Taushiro und Kukama produzieren heute audiovisuelle Inhalte und digitale Medien in ihren Muttersprachen. Es geht nicht mehr nur um das Überleben in staubigen Archiven, sondern um die lebendige Anwendung in einer vernetzten Welt.

Seine Arbeit ist eine Antwort auf einen akuten Mangel: Trotz staatlicher Bemühungen, Lehrmaterialien in über 30 der 40 registrierten indigenen Sprachen Perus bereitzustellen, fehlen in den Weiten des Amazonas hunderte qualifizierte Lehrer. Christian Sangama wartet nicht auf Institutionen; er setzt sich jeden Tag zu den Kindern an den Fluss und lehrt sie, dass ihre Sprache kein Relikt ist, sondern ein lebendiger Teil ihres Wesens.