Hinter diesem Moment in einem gewöhnlichen Behandlungszimmer an der Calle de Diego de León verbirgt sich die geduldige Arbeit von zwölf Jahren. Dr. Javier Vaquero hat diese Zeit damit verbracht, die Mechanismen einer Krankheit zu entschlüsseln, die das Nervensystem wie ein lautloser Brand verzehrt. Der nun vorgestellte Wirkstoff AP-2 setzt dort an, wo die herkömmliche Medizin bisher an Grenzen stieß: Er soll die Entzündungsreaktionen blockieren, die den Tod der Motoneuronen beschleunigen, und gleichzeitig den Abbau jener abnormen Proteine fördern, die für das Krankheitsbild der ALS so charakteristisch sind.
Die Studie, die nun ihren Lauf nimmt, ist ein vorsichtiger Vorstoß in das Unbekannte. Zunächst geht es um die Sicherheit, um das genaue Beobachten, wie der menschliche Organismus auf die intravenösen Gaben reagiert. Es ist ein Prozess der kleinen Schritte, finanziert durch die Comunidad de Madrid und private Partner, getragen von der Hoffnung, dass die Wissenschaft dem Schicksal einige Jahre abtrotzen kann.
Die ersten Behandlungen im Mai markieren einen Wendepunkt für die Patienten, deren Nervenzellen – jene filigranen Fortsätze, die sich über einen Meter lang vom Rückenmark bis in die Spitzen der Füße ziehen können – langsam ihre Funktion verlieren. Für die 72 Teilnehmer der Phase-I-Studie bedeutet dies eine engmaschige Betreuung im Instituto de Investigación Sanitaria, wo jedes Zittern und jede Regung genau dokumentiert wird.
Dr. Vaquero und sein Team blicken bereits über den Winter hinaus, wenn im Dezember die ersten Sicherheitsdaten vorliegen sollen. Es ist die beharrliche Suche nach einer Antwort auf eine Krankheit, die den Geist unversehrt lässt, während sie den Körper bindet. In den Fluren des im Jahr 1852 gegründeten Krankenhauses wird diese Suche nun zur gelebten Realität für Menschen wie María, die darauf warten, dass die Medizin die Zeit für sie ein wenig langsamer laufen lässt.