Das Material wächst rings um ihr Haus. Zwei Feigenarten kommen infrage, die rote nunu lero und die weiße nunu bula. Geschnitten wird nur bei Vollmond, und nur Zweige, die waagerecht oder aufwärts wachsen. Ihr Sohn Syafrudin bringt bei jedem Vollmond etwa dreißig Stücke von ein bis anderthalb Metern Länge.
Dann beginnt die Arbeit, die niemand abkürzen kann: schälen, säubern, drei Tage wässern. Erst danach kommen die Klopfer zum Einsatz, die grob beginnen und fein enden. Der Stein dafür stammt aus Towulu, einem Dorf im selben Distrikt — anderes Gestein springt unter dem dauernden Schlagen. Die Farben liefern die Pflanzen linuro und ulakau.
Was am Ende entsteht, ist Festtagskleidung der Kulawi: die Bluse halili und der dreilagige Rock topii, für Männer das Kopftuch siga, dessen Muster früher den Rang eines Kriegers anzeigte. Die Farbe trug Bedeutung. Weißes Tuch segneten Adlige als Feldflagge, rotes gehörte in die Opfergaben vor der Jagd, gelb gefärbtes trug man, wenn Reis und Mais reiften. Schamanen bewahrten zurückgeholte Seelenteile in weißen Rindenbeuteln, Witwen trugen Weiß in der Trauer. Wurde ein Mädchen geboren, stellte man neben den Korb mit Ackergerät ein Set Rindenklopfer.
Die Gegend hat es nicht leicht gehabt. Das Erdbeben der Stärke 7,5, das im September 2018 Palu traf, zerriss die Straße in den Nachbardistrikt Lindu; Mataue hat außerdem Sturzfluten erlebt. Die Region liegt rund sechzig Kilometer südlich der Provinzhauptstadt, im Gebiet eines Nationalparks, der seit 1977 als Biosphärenreservat geführt wird.
Für ihre Arbeit erhielt Tobani Tiku 2022 den Ratna-Preis und 2025 den indonesischen Kulturpreis als Maestra des Rindentuchs. Die Auszeichnungen haben an ihrem Tagesablauf wenig geändert. Zwei Gruppen von je zehn Frauen kommen jetzt zu ihr; sie teilt sie in drei kleinere Teams mit festen Aufgaben, so wie man eine Werkstatt ordnet, die weiterlaufen soll. Männer, sagt sie, können diese Arbeit nicht.
Über sich selbst sagt sie wenig. Nur dies: Müde werde sie, wenn sie nichts tue.