Lesele ist städtischer Bibliothekar in Randburg und sitzt im Vorstand von Wikimedia South Africa. Im Heritage Month, dem Monat, in dem Südafrika sein kulturelles Erbe feiert, rief er eine 30 Tage lange Kampagne ins Leben. Englische Artikel sollen in die Wikipedias der afrikanischen Sprachen des Landes übertragen werden, die bislang nur wenige Einträge haben. Die Freiwilligen arbeiten mit einem Übersetzungswerkzeug der Wikimedia Foundation. Es zeigt den Ausgangstext neben dem Entwurf in der Zielsprache und übernimmt Links und Quellenangaben automatisch.
Sepulana wird vor allem in der Gegend von Bushbuckridge in der Provinz Mpumalanga gesprochen, rund um Graskop und Pilgrim's Rest. Sprachwissenschaftler und Sprachplaner betrachten es meist als Variante des Sepedi und nicht als eigenständige Sprache. Deshalb hat es keinen eigenen offiziellen Status. Lesele baut dennoch eine Wikipedia auf Sepulana auf. Er sagt, wenn er die Arbeit aus der Hand lege, werde sie vermutlich niemand weiterführen.
Die Zahlen zeigen, wie ungleich das Wissen verteilt ist. Bei der Volkszählung 2022 gaben 24,4 Prozent der Haushalte isiZulu als wichtigste Sprache zu Hause an, Englisch nur 8,7 Prozent. Trotzdem kommt auf jeden Artikel auf isiZulu ein Vielfaches an englischen Artikeln. Die Afrikaans-Wikipedia hat rund 130.000 Einträge, die Sepedi-Wikipedia 9.000.
Lesele weiß, dass eine Sprache nicht erst im Lexikon lebt.
Aber was niemand aufschreibt, geht leicht verloren. Viele Freiwillige zögern, weil sie glauben, sie müssten dafür perfekt Englisch können. Lindani Sikhakhane, der ins isiZulu übersetzt, hält dagegen: „Konzentriert euch auf eure eigene Sprache. Ihr müsst dafür nicht Englisch verstehen. Macht mit und lernt dabei.“
Lesele denkt an einen Tag, an dem ihn jemand auf isiZulu anspricht und er auf Sepulana antwortet. Keiner der beiden müsste dann ins Englische ausweichen, um verstanden zu werden.
„Eine Sprache kann im Gespräch leben, in Liedern, in den Dingen, die eine Großmutter sagt und die niemand aufschreibt.“