Ihre ersten Jahre verbrachte sie auf Mana Island, einer knapp anderthalb Quadratkilometer großen Insel in der Mamanuca-Gruppe, rund dreißig Kilometer westlich der Küste von Viti Levu. Keine Straßen, ein Dorf, ein paar Resorts; wer aufs Festland will, nimmt das Boot. In der siebten Klasse zog sie nach Lautoka, in Fidschis zweitgrößte Stadt, bekannt nach der Zuckermühle, die seit 1903 das Rohr der umliegenden Distrikte verarbeitet.
Was sie in diesen Jahren erlebte, benennt sie ohne Umschweife: häusliche Gewalt, Missbrauch. Sie steht damit nicht allein in einem Land, in dem eine landesweite Erhebung des Fiji Women's Crisis Centre ergab, dass zwei von drei Frauen in einer Partnerschaft körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren haben. Firo hätte daraus einen Rückzug machen können. Sie machte daraus eine Richtung.
Der Anstoß kam mit dem Wind. Im Februar 2016 zog Zyklon Winston über Viti Levu, der stärkste tropische Wirbelsturm, der je auf der Südhalbkugel auf Land traf. Vierundvierzig Menschen starben, rund 40.000 Häuser wurden beschädigt oder zerstört, etwa 540.000 Menschen waren betroffen — knapp zwei Drittel der Bevölkerung. Die Hilfsarbeit zog sich über Monate und führte dem Fidschianischen Roten Kreuz eine ganze Generation neuer Freiwilliger zu. Firo war eine von ihnen.
Geblieben ist sie bis heute. In der Zweigstelle Lautoka übernahm sie die Rolle der Gesundheitsbeauftragten, nahm an Kursen, Programmen und Gemeindeaktionen teil. Die Erste-Hilfe-Schulungen, die sie mitträgt, finanzieren zugleich einen Teil der Freiwilligenarbeit der Gesellschaft, die 1954 als Zweig des Britischen Roten Kreuzes entstand und 1971, ein Jahr nach der Unabhängigkeit Fidschis, eigenständig wurde.
Es ist ein Gedanke, der weit zurückreicht. Ein Genfer Kaufmann namens Henry Dunant kam 1859 zufällig nach Solferino, sah die Verwundeten beider Armeen auf dem Feld liegen und brachte die Dorfbewohner dazu, sie zu versorgen — ohne zu fragen, unter welcher Fahne sie gekämpft hatten. Aus dem Bericht, den er drei Jahre später auf eigene Kosten drucken ließ, wurde das Rote Kreuz.
Von Solferino bis Lautoka ist es ein weiter Weg. Doch die Bewegung, die aus jenem Nachmittag hervorging, lebt nicht von Genfer Konventionen allein, sondern von Menschen wie Firo, die nach einer schweren Kindheit beschlossen haben, dass das, was ihnen fehlte, anderen nicht fehlen soll.
Niemand soll nach seiner Lebenslage beurteilt werden.