Anakiz Uslu kam 1925 zur Welt, in einer Zeit, in der man auf der anatolischen Hochebene mit dem Ochsenkarren, dem Esel oder zu Fuß unterwegs war. Die erste türkische Fluggesellschaft wurde erst acht Jahre nach ihrer Geburt gegründet, mit fünf Maschinen und Platz für insgesamt 28 Passagiere. Uslu blieb, wo sie war. Über hundert Jahre lang hat sie kein Auto, keinen Bus, keinen Zug bestiegen.

Den Wunsch, die Kaaba zu sehen, trug sie jahrzehntelang mit sich. Es waren die Enkel, die die Reise schließlich organisierten und sie begleiteten — von Konya, rund 1.900 Kilometer Luftlinie von Dschidda entfernt, nach Mekka.

Gott habe ihr in diesem Alter noch die Gelegenheit gegeben, die Kaaba zu sehen, sagte sie danach; es sei ein großes Glück für sie gewesen. Die Enkel beschrieben ihre Freude als unbeschreiblich und sprachen von einem besonderen Stolz darauf, ihre Großmutter während der Pilgerfahrt tragen zu dürfen.

Das Tragen eines gebrechlichen Angehörigen während des Tawaf ist eine alte Praxis. Die Große Moschee hält inzwischen auch Rollstühle und elektrische Wagen bereit und hat im ersten Stock und auf dem Dach eigene Spuren für langsamere Pilger eingerichtet, damit sie nicht im Gedränge der unteren Ebene stecken bleiben. Die Umra ist an keinen festen Tag im Kalender gebunden; sie lässt sich das ganze Jahr über vollziehen. Eine Altersobergrenze gibt es seit 2022 nicht mehr.

Die Fotos, die der Konyaer Nachrichtendienst Haber Dairesi veröffentlichte, zeigen eine alte Frau vor dem schwarz verhüllten Würfel. Hinter ihr stehen vier Generationen, von denen einige sie auf dem Rücken durch den wichtigsten Ort ihres Glaubens getragen haben.