Der Titel maestro d'ascia geht auf die ascia zurück, den Dechsel. Mit diesem Werkzeug, dessen Klinge quer zum Stiel sitzt, haben Schiffszimmerer seit jeher Spanten, Kiel und Planken aus dem Holz geschlagen. In Italien ist der Beruf seit dem Schifffahrtsgesetzbuch von 1942 geregelt. Wer ihn ausüben will, legt eine Prüfung ab und wird bei der örtlichen Capitaneria di Porto eingetragen. Moronis drei Lehrlinge sollen im kommenden Jahr zur Prüfung antreten.

Die Werft liegt rund fünfzehn Kilometer flussaufwärts im Hinterland von La Spezia und arbeitet mit Fincantieri an zwei Schiffen der italienischen Marine. Die Amerigo Vespucci, seit 1931 Segelschulschiff und in La Spezia beheimatet, hat einen Rumpf aus Stahl. Ihre Decks, Relinge und viele Beschläge sind aber aus Holz. Die Palinuro lief 1934 in Nantes als französischer Dreimastschoner vom Stapel und brachte Fischer zum Kabeljaufang vor Neufundland. Heute bildet die Marine auf ihr Unteroffiziere aus. Beide Schiffe brauchen Hände, die mit Holz umgehen können.

Genau solche Hände fehlen. Moroni nennt die Gründe ohne Umschweife: Es finde sich kaum Personal, Holzarbeiten würden weniger nachgefragt, das Material sei teuer, es gebe nur wenige Eigner historischer Boote, kaum Anlagen an der Küste, und der Transport eines Bootes koste viel Geld.

Einige Kilometer weiter, in Ameglia an der Mündung der Magra, arbeitet Cesare Cortale. Er ist 29 Jahre alt und kam aus der Maschinenschlosserei zum Holz. Den Anstoß gab ein altes Boot namens Lazzaro, das er restaurierte. Danach ging er in den Süden Italiens und lernte bei Giovanni Cammarano und Nino Aprea. 2017 bestand er die Prüfung zum Schiffszimmermeister. Später setzte er in Frankreich ein hölzernes Schiff von 45 Metern Länge instand.

In seiner Werkstatt restauriert er heute vor allem gozzi, die offenen ligurischen Fischerboote mit spitzem Bug und spitzem Heck, meist fünf bis acht Meter lang, mit denen man früher in Küstennähe Netze und Leinen auslegte.

Cortale weiß, was sein eigener Weg gekostet hat, und er weiß auch, warum ihm so wenige folgen. Junge Menschen, sagt er, scheuen die Jahre, in denen man von Werft zu Werft durch ganz Italien zieht, um das Handwerk zu lernen. Denn das Wissen um den Dechsel steht in keinem Lehrbuch. Man lernt es bei den Meistern, und die arbeiten verstreut an den Küsten des Landes.

In Santo Stefano Magra warten drei junge Männer auf ihre Prüfung. Wenn sie bestehen, stehen im Register von La Spezia drei neue Namen.