Der Fund hat ein Vorspiel. Wenige Jahre zuvor tauchte die Art rund 13 Kilometer flussabwärts bei der Staustufe Ering-Frauenstein wieder auf, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Österreichs Fischerei. Dass sie nun auch bei Simbach steht, deutet darauf hin, dass sie ihr Gebiet ausweitet — flussaufwärts, gegen den Strom, entlang der neu geschaffenen Umgehungswege.
Diese Wege sind jung. Das Gerinne am Kraftwerk Braunau-Simbach, das die Grenze zwischen Bayern und Oberösterreich überspannt, wurde nach etwa einem Jahr Bauzeit im Juli 2024 erstmals geflutet. Es ist 3,1 Kilometer lang und fünf bis acht Meter breit, gebaut vom Kraftwerksbetreiber VERBUND, der insgesamt rund 100 Millionen Euro in Renaturierung und Umgehungsgewässer am Inn gesteckt hat. Das Kraftwerk selbst stammt aus den Jahren 1951 bis 1954.
Die Steingresse ist ein wählerisches Tier. Sie erträgt keine verschlammten, verbauten, sauerstoffarmen Strecken; sie laicht über flachen Kiesbänken in strömendem Wasser, über eine Saison von rund fünfzehn Wochen hinweg. Wo sie lebt, ist das Wasser in Ordnung. Genau das macht sie zum Zeugen: Ihr Erscheinen lässt sich nicht schönreden und nicht herbeiwünschen.
Neben ihr fanden die Forschenden Groppe, Huchen und Schneider. Und einen Wels von 1,2 Metern, der den Fischweg ebenso selbstverständlich nutzte wie die kleinen Arten.
Hunderttausende Fische zu sehen, war eine wirklich besondere Erfahrung und etwas, das ich nie erwartet hätte.
Der untere Inn steht seit langem unter Schutz — seit Februar 1976 als Ramsar-Gebiet, seit 1979 als Europareservat. Schutz allein aber brachte die Steingresse nicht zurück. Erst die gewundenen, naturnahen Gerinne um die Staustufen herum gaben ihr wieder eine Strecke, auf der sie sich bewegen kann. Der Inn, der bei Passau in die Donau mündet, trägt auf bayerischem und grenznahem Gebiet 21 Kraftwerke. Zwischen ihnen entsteht nun, Kanal für Kanal, so etwas wie ein durchgängiger Fluss.