Er kennt diese Landschaft von innen. 1957 in den zentralen Marschen geboren, ausgebildet als Bewässerungsingenieur, arbeitete er den größten Teil seines Berufslebens als Beamter im irakischen Wasserressourcenministerium — in jenem Apparat also, dessen Bagger in den Neunzigern die Kanäle gruben, mit denen Saddam Husseins Regierung das Wasser ablaufen ließ, um schiitische Aufständische aus ihrem Versteck zu treiben. 2006 schloss er sich einem ersten Restaurierungsprojekt an, 2011 wechselte er ganz zur Umweltorganisation Nature Iraq, die er heute leitet.

Seit das Drainagewasser die westliche Hammar-Marsch wieder füllt, sind Vögel zurückgekehrt, Fischarten, Wasserpflanzen. Mit ihnen die Wasserbüffelherden und die Familien, die vom Fischfang leben, vom Büffelhüten, vom Flechten der Schilfmatten. Nature Iraq misst wöchentlich die Wasserqualität an den Ein- und Auslassstellen und schult lokale Institutionen im Umweltmanagement.

Was hier zurückkommt, ist knapp bemessen. 1973 bedeckten die Marschen rund 10.500 Quadratkilometer, 2002 waren es noch etwa 760. Die Ma'dan, die Marschbewohner, zählten in den fünfziger Jahren etwa eine halbe Million; UN-Schätzungen setzen die im Irak verbliebene Bevölkerung auf 20.000 an. Ihre Mudhif, die Gasthallen aus gebündeltem Qasab-Schilf, kommen ohne Nagel und ohne Holz aus — in einer Form, die auf sumerischen Artefakten um 3000 v. Chr. eingeritzt ist.

Die Arbeit hat einen Preis, den Al-Asadi bezahlt hat. Am 1. Februar 2023 wurde er auf der Straße bei Bagdad von einer bewaffneten Gruppe verschleppt und erst am 15. Februar freigelassen; er berichtete später von Schlägen und Elektroschocks während dieser zwei Wochen. Ein Jahr darauf erschien The Ghosts of Iraq's Marshes, das er gemeinsam mit dem Geografen Steve Lonergan schrieb, mit Fotografien von Keith Holmes.

Vier der Feuchtgebiete — Huwaisa, die zentralen Marschen, Ost- und West-Hammar — stehen seit Juli 2016 als Teil der Ahwar des Südirak auf der UNESCO-Welterbeliste, zusammen mit den Ruinenstädten Ur, Uruk und Tell Eridu. Huwaisa war schon 2007 das erste irakische Ramsar-Gebiet geworden.

Ob das Wasser bleibt, entscheidet sich flussaufwärts, in Stauseen und Abkommen, über die ein einzelner Ingenieur nicht verfügt. Er verfügt über einen Damm, einen Kanal und zwanzig Jahre Geduld.