Dar ist vierzig und arbeitet in Narbal im Distrikt Budgam, ein Stück außerhalb von Srinagar. Sein Vater brachte ihm den Beruf bei, als er acht Jahre alt war; dessen Vater hatte ihn ebenso weitergegeben. Was in dieser Werkstatt entsteht, gehört zur Sufiana Mausiqi, der klassischen Sufi-Musik Kaschmirs, die auf melodischen Modi und rhythmischen Zyklen ruht und traditionell nicht im Konzertsaal gespielt wurde, sondern in kleinen Runden unter wenigen Zuhörern.
Rabab, Santoor, Saz-e-Kashmir, die kaschmirische Sitar, die Sikh-Rabab, die Surnai — Dar baut sie alle. Das Santoor allein verlangt eine Geduld, die sich schwer erklären lässt: ein trapezförmiger Kasten, fünfundzwanzig Stege, hundert Saiten in Gruppen zu je vier, angeschlagen mit leichten Holzschlegeln, die locker zwischen den Fingern liegen. Sanskrit-Quellen nennen ein Instrument dieser Art shatatantri veena, Laute mit hundert Saiten.
Rund ein Dutzend Menschen arbeitet mit ihm, darunter Lehrlinge, die er selbst ausbildet. Geschnitten, geformt, geschliffen wird von Hand. Bestellungen kommen aus ganz Jammu und Kaschmir und aus anderen Teilen Indiens.
Anerkennung hat das kaschmirische Handwerk in den vergangenen Jahren durchaus erfahren. Srinagar wurde im November 2021 in das UNESCO-Netzwerk der Kreativstädte aufgenommen, in der Kategorie Handwerk und Volkskunst, als zweite indische Stadt nach Jaipur; im Juni 2024 erklärte der World Crafts Council sie zur World Craft City. Geschützte Herkunftsbezeichnungen tragen Pashmina, Kani-Schals, Walnussholzschnitzerei, Papiermaché und handgeknüpfte Teppiche. Musikinstrumente sind nicht darunter.
Wie eng es werden kann, zeigt der bekannteste Kollege des Fachs. Ghulam Muhammad Zaz, Jahrgang 1941, arbeitet seit 1953 in der Werkstatt seiner Familie im Viertel Zaina Kadal am Ufer des Jhelum, in achter Generation, seit rund zweihundert Jahren am selben Ort. Seine Instrumente spielten Shiv Kumar Sharma und Bhajan Sopori. Zaz erhielt 2023 den Padma Shri. Einen Nachfolger hat er nicht.
Dar wirbt deshalb bei den Jüngeren, mahnt, bittet, und verlangt zugleich mehr Unterstützung für die Handwerker selbst. Er weiß, dass das Wissen nicht in Büchern liegt, sondern in Händen, und dass Hände es nur weitergeben können, solange sie jemanden finden, dem sie es zeigen.