Die Brücke steht bei der Schleusenanlage Madao in der Gemeinde Jiuzhou, einem von drei Schleusenkomplexen des Kanals. Als der Pinglu-Kanal im September für die Schifffahrt freigegeben wurde, war sie die erste Brücke in China, die ausschließlich für Wildtiere über eine große schiffbare Wasserstraße gebaut wurde. Der Kanal ist 134,2 Kilometer lang. Er verbindet das Innere von Guangxi mit dem Golf von Beibu und schneidet dabei durch bewaldetes Hügelland. Auf beiden Seiten leben kleine Raubtiere und Hörnchen, deren Revier bisher durchgehend war. Ohne einen Übergang hätte das Wasser ihren Lebensraum in zwei Hälften geteilt.
Die Bauleute der Guangxi Pinglu Canal Construction Co. haben deshalb auf Asphalt verzichtet. Sie trugen zwischen 0,6 und 1,2 Meter Pflanzerde auf, verwendeten Erde und Steine wie an den umliegenden Hängen und setzten dieselben Pflanzen, die auch dort wachsen. Die Obstbäume sind als Nahrung gedacht, Wassergruben und Felshaufen als Rast- und Versteckplätze. Unter der Erde liegt Beton, aber für ein Tier sieht und riecht die Brücke wie ein gewöhnlicher Hang.
Die Planer hatten bestimmte Arten im Blick: den Fleckenlinsang, eine scheue, schlanke Schleichkatze der Wälder, die Bengalkatze, das Pallas-Schönhörnchen und den Larvenroller, dazu Vögel und andere kleine Säugetiere.
Entlang der Strecke wurde an vielen Stellen mit großem Aufwand gearbeitet. In Qinzhou lag die Zicai-Brücke zu niedrig für die großen Schiffe. Unter der Leitung von Yuan Mingyang bauten Ingenieure sie über mehr als sechs Monate in umgekehrter Reihenfolge ab und planten jeden Schritt vorher am digitalen Modell. Die Qinjiang-Brücke der Autobahn G75, über die täglich mehr als 100.000 Fahrzeuge fahren, hob das Team von Kuang Zhiqiang in sechzehn Stunden als Ganzes an ihren Platz. Für den Kanal wurden insgesamt 339 Millionen Kubikmeter Material ausgehoben. Die Kosten lagen bei rund 72,7 Milliarden Yuan.
Neben diesen Bauwerken ist die Tierbrücke klein. Sie zeigt aber, dass sich die Planung großer Bauprojekte in China verändert: Durchgänge für Wildtiere werden von Anfang an mitgebaut und nicht erst später ergänzt, wenn der Schaden schon da ist.
Ob der erste Linsang schon darübergelaufen ist, weiß noch niemand. Der Weg ist jedenfalls da.