Das Rad hat al-Sawwaf selbst entworfen. Als Vorbild dienten ihm die Geräte aus der Zeit seines Großvaters. Die Familie webte schon immer auf einem handbetriebenen Holzgerät, dem Nol, und deshalb konnten Stromausfälle ihre Arbeit nie ganz aufhalten. Was früher eine Tradition war, hilft ihm heute, überhaupt weiterzuarbeiten.
Seine Fabrik und ihre Lagerhallen wurden im Krieg zerstört und niedergebrannt. Nach seinen Angaben verbrannten 80 bis 85 Prozent des Garns und der Materialien. Ein Teil der übrigen Vorräte liegt in einem Lager, das sich heute in dem von Israel kontrollierten Gebiet befindet. Die Wolle und das Acrylgarn, mit denen er jetzt arbeitet, wurden noch vor dem Krieg eingeführt. Er hat sie aus dem Schutt gezogen.
Die Werkstatt liegt nahe der Sanafor-Kreuzung und damit in der Nähe der sogenannten „Gelben Linie“. Hinter diese Linie zogen sich die israelischen Truppen nach der Waffenruhe vom Oktober 2025 zurück, und dort sind sie bis heute stationiert. Hier unten arbeiten nun auch mehrere frühere Angestellte seiner Fabrik. Das alte Handwerk gibt Vertriebenen aus der Umgebung wieder ein Einkommen.
Ein großer Teil der Webtradition Gazas stammt aus al-Majdal, dem heutigen Aschkelon, etwa 25 Kilometer nördlich von Gaza-Stadt. Weber, die 1948 von dort in den Gazastreifen vertrieben wurden, arbeiteten an ihren Webstühlen weiter. Viele von ihnen gingen später vom Tuch zum Teppich über.
Husseins Vater, Mahmoud Husni al-Sawwaf, lebt nicht mehr. Vor einigen Jahren war er 73 Jahre alt, und ein Bericht nannte ihn damals womöglich den letzten traditionellen Teppichweber Gazas. Seine Kunden waren vor allem ausländische Helfer und Touristen. Viele Menschen in Gaza konnten sich seine Teppiche nicht leisten und kauften lieber billige importierte Strohmatten. Seit der Blockade von 2007 durfte kaum noch etwas ausgeführt werden, und so verloren die Handwerker auch ihre Käufer im Westjordanland und in Israel.
Heute ist das anders. Teppiche, Läufer und Bodenmatten sind auf den Märkten Gazas knapp geworden. Nach al-Sawwafs Worten kostet ein handgewebter Teppich derzeit weniger als andere Bodenbeläge.
Der Name der Familie bedeutet auf Arabisch „der Wollarbeiter“. Er leitet sich von suf ab, dem Wort für Wolle. Unter einem Haus im Apfelviertel, denn nichts anderes heißt Tuffah, trägt Hussein al-Sawwaf diesen Namen weiter.