Gabdaa ist Reisbauer in der Provinz Gnagna. Was er an diesem Morgen organisierte, ist kein Fest und keine Wohltätigkeit, sondern ein Arbeitsvertrag ohne Papier: der reihum wandernde Arbeitseinsatz, der sich durch die Regenzeit von Feld zu Feld bewegt, bis der Reis jedes Haushalts rechtzeitig im Boden steht. Bezahlt wird nicht in Geld, sondern in Rückkehr. Am Abend wird gemeinsam gegessen.

„Wenn wir viele sind, geht die Arbeit schnell voran", sagt Gabdaa. „Was für eine Person schwierig wäre, wird viel leichter, wenn jeder seine Kraft mitbringt." Desire Lankoande sagt es nüchterner: Die Praxis verkürze Verzögerungen und fördere ein gleichmäßiges Wachstum der Pflanzen. Albert Bourgou nennt es eine Ehre, auf den Feldern seiner Schwiegereltern zu arbeiten. Jean Bourgou fasst das Ganze in die Formel, die alle kennen.

Dass es dabei um mehr geht als um Geselligkeit, zeigt die Rechnung. Das Verpflanzen von Hand ist der arbeitsintensivste Schritt im gesamten Reisanbau — nach Angaben des internationalen Reisforschungsinstituts IRRI 25 bis 40 Personentage je Hektar, rund ein Viertel der Arbeit, die eine Reisernte von der Bodenvorbereitung bis zur Ernte verschlingt. Eine Maschine erledigt dasselbe an einem Tag. In den bas-fonds, den saisonal überfluteten Senken, die sich mit dem Regenwasser füllen, gibt es keine Maschine. Es gibt nur einander.

Im selben Sommer kamen rund 40 junge Freiwillige zusammen, um das Feld des Bauern Guibougou Dingaba zu bepflanzen. Gori Tindano, ein junger Bauer aus dem nahen Siedougou, bewirtschaftet seit etwa anderthalb Jahren eine Parzelle von 0,18 Hektar. Ohne diese gemeinsame Arbeit, sagt er, wäre sein Reisanbau überhaupt nicht möglich.

Burkina Faso ernährt sich beim Reis nicht selbst. Knapp sechzig Prozent der Nachfrage decken Einfuhren; der Import von geschältem Reis stieg von etwa 350.000 Tonnen Mitte der 2010er-Jahre auf rund 600.000 Tonnen zuletzt. Landesweit zählt man 324.045 Reisproduzenten, mehr als die Hälfte von ihnen in erschlossenen Niederungen.

Solche Arbeitsgruppen sind im ganzen Land unter eigenen Namen bekannt — sosoaga bei den Mossi, koosin bei den Bwa, songtaaba als Wort für gegenseitige Hilfe überhaupt. Der Lehrer Bernard Ledea Ouedraogo gründete 1967 im Yatenga aus genau dieser Tradition heraus die Naam-Bewegung; elf Jahre später waren dort über 2.500 Gruppen mit 160.000 Mitgliedern organisiert.

In Manni braucht es dafür keine Föderation. Es braucht nur die Zusage, morgen im Schlamm des Nachbarn zu stehen.

Heute bei dir, morgen bei mir.